Freitag, 19. Oktober 2012

Worte

Hinter Fragen meine Welt
und die Sprache füllt mich stumm.
Ich suche 
nach dem Wie?  
und nicht nach dem Warum?

Auf den Blättern steht der Ton
und die Noten klingen still
erfüllen ihren Sinn dort schon
weil ich etwas hören will.


Manchmal muss man darum ringen 
will man was in Worte kleiden.
Was soeben neu gedacht
ist nicht leicht auf einen Punkt zu bringen,
wird wortreich in den Satz gebracht.


Wo 
ist eigentlich der 
Wind wenn er nicht weht?

Kann man im Liegen begreifen
was man nicht versteht?

Können Ohren Worte hören,
können wir Formen sehen?

Die Dame mit dem Dackel

Fräulein Naseweiß und ich gehen manchmal im Adenauerpark spazieren. Seit neuestem steht da ein modernes Denkmal aus einer Scheibe Eisen. Es soll Adenauer darstellen. Ich warte darauf das irgendein Jugendlicher mir den Gefallen tut und vorne einen Pimmel drauf malt.

Fräulein Naseweis und ich spielen mit meinem kleinem roten Ball auf der Wiese auf der man so herrlich herumtoben kann. Zwischendurch üben wir dabei etwas Neues. Jedesmal wenn sie mir zufällig den Ball so gibt, dass ich ihn nehmen kann ohne das er herunterfällt, sage ich "gib". Dann gebe ich ihr das Leckerchen das ich in der anderen Hand halte. So hat sie den Raum in das Kommando hineinzuwachsen.

Ich sehe aus dem Augenwinkel eine Frau in etwa 20-30m Entfernung. Sie ruft nach ihrem Hund: "Odin!". Ich bücke mich nach dem Ball den das Fräulein mir gerade gebracht hat und sage "genug" während ich ihn einstecke. "Ok". 
Fräulein Naseweiß pummelt ein wenig über die Wiese. Odin denkt nicht daran zu seinem Frauchen zu laufen. Er hat das Fräulein schon gesehen. Er ist ein schon in die Jahre gekommener, rotbrauner Langhaardackel. Er begrüßt sie fröhlich. Odin ist ihr nicht unsympatisch.

Die Frau ist etwas älter als ich und hat kurze Haare. Ich habe sie noch nie hier gesehen. Wir führen das übliche Gassigespräch. Fräulein Naseweiß hat sich zu mir gestellt, der Alte mag nicht spielen. Meine Gesprächspartnerin hockt sich hin und begrüßt sie.
Ich lächle. Die Dame mit dem Dackel erzählt mir, dass Odin ihr letzter Hund wäre: "Nach ihm will ich keinen mehr".
Sie berichtet, wie sie ihn vor 4 Jahren aus dem Tierheim abgeholt hat und er sich sie ausgesucht hätte. "Ach das ist ja witzig, meine hat mich auch ausgesucht." Und sie sagt: "Das ist immer so, dass die Hunde sich ihre Besitzer aussuchen." 

Ich schaue ihr hinterher, während sie zu Ihrem Auto geht. Warum habe  ich sie nicht gefragt, warum - und vor allem wie - sie es verhindern will, dass sich ein anderer Hund in der Zukunft sie als Frauchen aussucht? 

Freitag, 12. Oktober 2012

(Zw)ei(n)sam

Du bewegst dich mit mir durch die Nacht
als wäre deine Welt -
eine andere als meine. 

Um mich herum, silbernes Licht.
Trockenes Laub liegt am Boden,
spielt mit dem Wind.

Als führte dich dein Weg durch Dunkelheit, 
ergreifst du meine Hand während wir gehen.

Fürchtest du dich?

Ist dir kalt, bist du müde?
Ich habe keine Eile,  
wollen wir rasten, eine Weile?

Wir stehen da im Silberlicht. 
Ich spreche leise ein Gedicht
- du hörst mich nicht. 

Liebe A********

So ein Leben aber auch. Man ist sich so fremd, man ist sich so nah...Die Briefe von Dir, die ich alle in einer Mappe abgeheftet hatte, und die ich manchmal gerne herauskramen möchte, sind 2006 bei einem Feuer in meiner Wohnung verbrannt. 

Nachdem ich einigermaßen  lustlos, mehr aus langeweile deinen Namen im Netzwerk in das
Feld "suche" eingegeben hatte, war ich sehr überrascht. Ich wisperte deinen Namen, schickte dir eine "Freundschaftsanfrage". Du hast sie angenommen.

Ich spüre vergangenen Zeiten in mir nach und ahne wie du heute lebst. Manchmal sehe ich ein Foto lange an dass du gerade ins Netzwerk gestellt hast, klicke den "gefällt mir" Knopf.
Das hätte ich mir nicht träumen lassen. 

Ich hatte auf der suche nach einer Brieffreundin eine Anzeige geschaltet, im kleinen Tierfreund. Mein Glück, dass du diese Zeitung auch bei dir in Österreich gelesen hast. Der Text durch den wir uns gefunden haben war: "Alle die mich kennen mögen mich nicht. Dazu kann ich nur sagen: es gibt noch millionen von Menschen die mich nicht kennen". Ich war 12. Damals habe ich gelitten und die Welt, mich und die Menschen nicht verstanden. Meine erste ernsthafte Freundin warst tatsächlich Du. Auch wenn ich dich noch nie gesehen habe.

Es gibt sogar heute noch Menschen die sich an dich erinnern. Die mich nach dir fragen, und wissen wollen wie es dir ergeht. Meine erste, leibhaftige und anfassbare Freundin K. beispielsweise. Meine Mama hat neulich auch nach dir gefragt. Weil ich früher so oft von dir erzählt habe. Nicht von dem was du mir geschreiben hast (das war und bleibt Geheim). Ich habe von dir gesprochen, wie andere Kinder von Ihren Klassenkameraden. Wir sind uns begegnet. In unseren Briefen. Du in dem Dorf mit den Straßen ohne Namen, in dem Haus 31 mit den vielen Zimmern. Ich in meiner Kleinstadt. In der Doppelhaushälfte und einer Straße mit einem Namen. Wenn ich etwas gesehen oder erlebt hatte habe ich gesagt:" das muss ich A. schreiben", oder wenn ich Kummer hatte und etwas nicht verstehen konnte: "das frage ich meine Freundin A....".  Manchmal habe ich gelacht während ich schrieb, und auch geweint.

Und wie die Mama abends auf dem Sofa mit einem Glas Wein in der Hand ihre Stimme senkte, als würde sie im nächsten Moment eine unverschämte Bemerkung machen und sich vorher schon schämen, da konnte ich auf die Frage: "Hast du eigentlich mal wieder was von A. gehört?", eine fröhliche Antwort geben: " Ich habe sie im Netzwerk. Das ist zwar nicht das gleiche, aber ich kann Bilder aus Ihrem Leben sehen, und sie scheint mir glücklich."  Da hat die Mama sich gefreut.

Ich habe dich wieder in meine Gedanken integriert. Eigentlich habe ich nie aufgehört, mich innerlich an dich zu wenden. Ich schrieb noch Jahre lange Briefe in meinem Kopf an dich, die nie zu Papier kamen. 

Ich habe dir einmal geschrieben, dass ich dich am Ende unseres Lebens treffen möchte. Das ist immer noch so. 
Am Ende unseres Lebens... Da haben wir noch etwas Zeit!

Danke. Für alles.
Du könntest jederzeit bei mir vor der Tür stehen und bleiben.