Mein Körper spricht eine deutliche Sprache. Er wehrt sich gegen die Umstände meines Alltages mit einer Erkrankung.
Höllische Schmerzen bohrten sich wie heiße Stäbe rotierend durch meinen Leib und forderten sofortiges Handeln. Alles neu macht der Mai? Mich hat er geschmerzt! Der ganze, lange Monat hat mich regelrecht traumatisiert!
Ich wurde am 23. 05. um 7:15 Uhr in die "Diakonissenanstalt" einbestellt. (Auch das noch, die schicken mich damit in eine Anstalt!) Die Operation konnte ambulant stattfinden, und ich sollte nüchtern kommen. Das bedeutete, dass ich die Medikamente gegen die Schmerzen nach Mitternacht nicht mehr einnehmen durfte. Etwa 6 Std hält die Wirkung von dem Mittel an. Also bekam ich, als ich in die Umkleide gebeten wurde, vor lauter beißen und reißen und stechen in meinem Leib kaum noch etwas von der Umgebung mit. Beinahe blind ohne meine Kontaktlinsen ging es auf die Reise. Eingewickelt in einen weißen Frottebademantel, barfuß in zu großen Kliniklatschen hatte ich Mühe der Schwester zu folgen. "Warten sie hier auf der rechten Seite". Die Liege war noch nicht da. Als die hereingebracht wurde durfte ich mich hinlegen. Die blonde Schwester verabschiedete sich: "Sie werden gleich abgeholt."
Es dauerte einen Augenblick und eine dunkelhaarige Schwester kam herein und fragte mich nach meinem Namen und meinem Geburtsdatum. Weil ich die richtige Antwort gab, stellte sie mir die Armlehnen ein und schnallte meine Arme daran fest. Ich wurde regelrecht an die Liege gefesselt, vermutlich weil man befürchtete, ich könne während der Narkose um mich schlagen. Danach schob Sie mich durch eine Tür in einen ganz schmalen Raum von dem ich nur die Decke sehen konnte.
2 Narkoseärzte beugten sich über mich. Sie stellten sich mir vor. Beide waren freundlich zu mir. Die Frau fragte mich nach meinem Namen, meinem Geburtsdatum und was bei mir operiert werden würde. Das wusste ich immer noch, also sagte Sie mir, Sie würde als leitende Narkoseärztin die ganze Zeit hinter mir stehen und aufpassen, dass mir nichts geschieht. Sympatischerweise hat sie mich geduzt. Ich habe gesagt: "Solange Ihr mich nicht tätowiert während ich schlafe, bin ich zufrieden." Beide haben gelacht. Der Assistenzarzt sprach beim stechen des Medikamentenzuganges mit mir: "Das tut jetzt kurz weh." Voll niedlich, den Pieks als Schmerz zu bezeichnen. Frau Doktor hielt mir eine durchsichtige Maske über die Nase: "Das ist Sauerstoff, atme bitte tief ein." Während ich atmete, nahm der junge Herr Dr. meine Hand in seine und steckte die Spritze mit dem Medikament in die Kanüle. Er legte meine Hand wieder hin. "Es wird dir jetzt gleich schwindelig" Ich atmete und wartete. Nichts. Ich atmete nochmal, sah den bis zum Handgelenk tätowierten Arm von Frau Doktor und atmete wieder. Dann sagte ich: "huihuihui" und verdrehte die Augen. Ich war weg.
Aus meinem Körper hinausgetreten, sah ich nun mit klarem Blick, ohne meine übliche Sehtrübe, wie die Ärztin mir die Maske komplett anlegte. Ich beobachtete, wie man mich in den Operationssaal schob. Desorientiert, irgendwo oben an der Decke des Operationsaales hing ich fest. Ich beobachtete die Gesichtszüge unter der Maske, und sie spiegelten meine Gefühle oben an der Decke.
Eine vertraute Stimme flüstert: "Schau nicht hin, komm mit mir." Ohne zu zögern, kann ich mich lösen. Ich gleite durch mein Selbst hindurch; stülpe mich um in mir Selbst und finde mich auf einer Waldlichtung wieder. Die Sonne bricht durch die Zweige und hüllt den Ort in ein prächtiges Licht. Ich blicke mich um und sehe Ellie. Sie springt durch den Armkreis eines großen seltsam gekleideten Mannes. Ich kenne Ihn. Ich bin eben seiner Stimme gefolgt. Ein kleinerer Mann mit ebenso eigentümlicher Kleidung steht dicht daneben und flirtet mit Fee. Das ist die Begleiterin meiner Schwester.
Sie enddecken mich alle gleichzeitig. Wir laufen aufeinander zu. Ellie ist natürlich als erste bei mir. Sie schlappert mein Gesicht ab und kugelt sich vor Freude. Fee legt sich gleich hinter mich, um sicher zu gehen, das ich nicht zurückschaue. Die beiden anderen Gestalten habe ich trotz ihrer Verwandlung sofort erkannt. Es sind Charly und Rex.
Charly ist gute 2 Köpfe kleiner als Rex und und hat kurze schwarze Haare und dunkelbraune Augen. Er ist ein bisschen dreckig im Gesicht und trägt seine Lederstiefel an den Schnürsenkeln zusammengebunden über der Schulter. Ein richtiger Spitzbube mit Holzfällerhemd und hochgekrempelter Hose, barfuß.
Rex erscheint mir als ein erhabener Edelmann. Mit Würde trägt er sein hellbraunes, langes Haar offen über eine weinrote Robe. Vorne ist ein goldenes Abzeichen aufgestickt, das ich nicht genau erkenne, weil die Robe lässig über seiner Schulter eine Falte wirft. Unsere Augen treffen sich. Sein Blick berührt mich tief. Unendlich glücklich und Dankbar zwinkere ich meinem weisen Freund zu und wende mich Charly zu. Er zeigt sich nun in für mich gewohnter Gestalt; ist mit einem Male wieder der schwarze Mischlingshund mit braunen Beinen und der Blässe auf der Brust. Wir spielen und rennen zusammen mit Ellie über die Lichtung bis wir uns ausgefreut haben. Ellie läuft hinüber zu Fee und will sie zu uns einladen. Fee bleibt wo sie ist.
Charly lässt sich in Menschengestalt neben mir im Gras nieder. Rexi legt als Schäferhund seinen großen Kopf in meinen Schoß und lässt sich von mir kraulen. Ich frage Charly, wie ich zu der Ehre dieser wundervollen Begegnung komme. Seine Antwort ist erstaunlich.
"Rex trägt die Robe deines Wächters, er ist immer da. Ich bin zufällig in der Nähe und nutze diese Stunde für einen Gruß. Ellie hat darum gebeten, dich zu begleiten. Mit Fee hat keiner gerechnet, doch es ist gut, das sie da ist. Sie sichert deiner Begleiterin den Weg nach hinten denn es ist ihre erste Reise."
Mir wird schwindelig.
Mit einmal bin ich es, die in Rexis Armen liegt. Er trägt mich auf seinen starken Armen wie ein Kind behutsam über die Lichtung und spricht: "das Zeichen auf der Wächterrobe ist mein Wappen, es zeigt eine runde Krone, mehr nicht." Ich schaue Charly lächelnd schwinden, bekomme einen nassen, langen Kuss von Ellie und den zarten Gruß von Fee. Rex legt mich behutsam nieder, er streichelt mein Gesicht und bettet meinen Kopf. Ich schlafe murmelnd ein.
"Danke, Danke, Danke, dass ihr alle so Lieb zu mir seid, Dankeschön!"
Ich fand mich wieder in einem weißen Raum und ich konnte nichts mehr klar erkennen.
Alle Schmerzen waren weg, und ich hatte eine Manschette zum Blutdruckmessen um meinen Arm. Eine verschwommene Schwester in blau tauchte neben mir auf und stellte die Kopflehne meines Bettes etwas höher und fragte mich dabei: "Wer ist Ellie? "
Mit einem seeligen lächeln auf den Lippen gab ich zur Antwort: "Mein Hündchen"! "Das macht Sinn", antwortete Sie.
Anscheinend rede ich im Schlaf. Bloß geträumt habe ich nicht!