Samstag, 4. Mai 2013

die Königin hat neue Kleider...

Ich  investiere seit einiger Zeit regelmäßig in meinen Kleiderschrank. Die Sachen darin sind bunt wie meine Gefühle und vielfältig wie meine Gedanken.
Lange hielt ich es für verschwendete Zeit mir zu überlegen, welches Oberteil ich zu welcher Hose oder zu welchem Rock anziehe. Oder ob die Schuhe dazu passen. Ich war gewaschen, und warm. Oder luftig, je nach Wetter. 
Es gab wichtigeres zu tun.

Durch meinen Alltag und den Beruf sah ich mich aber immer öfter dazu gezwungen, mich auf der Ebene der "Angemessenheit" mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es hat mich genervt, wenn ich mich verkleiden sollte. Oder wenn ich mich extra umziehen musste um mit dem Hund raus zu gehen. Ich wollte nur noch "schöne Sachen". Aber wie kauft man eigentlich sinnvoll ein, wenn man seine Garderobe nicht in "echt" und "unecht" trennen will? Wie geht das mit dem "auftreten"?

Es begann ein Prozess, den andere vielleicht schon mit 16 oder 17 durchleben. Und dieser Prozess endete für mich in einer Erkenntnis und mündet in einem Stil. Meinem Stil. 

Ich hüllte meinen Leib, meinen Wohnort der Gedanken in irgendwas passendes. Witterungsgemäß und launenhaft verweigerte ich mich "dem Konsum".
Das war trotzig und nicht zu Ende gedacht. 

Man kann sich auch schön kleiden ohne sich großartig auf die Maschinerie der Bedürfnisindustrie einzulassen. Man muss nur bewusst auswählen, nicht verzichten.
Als Menschen gestalten wir unsere Erscheinung und insofern auch den Eindruck, den wir hinterlassen. Das ist wie im Gespräch. Wenn ich mir nicht klarmache, was ich für einen Gedanken aussprechen möchte, dann wird mein Sprechen zu gefasel. Wenn ich mich selbst nicht kenne, dann kann ich mich auch nicht kleiden, und als authentische Figur in dem Gesellschaftskabinett erscheinen. Wir tragen Verantwortung- sichtbare Antworten auf Fragen die wir uns selbst stellen.

Und ich dachte und ich denke, so wie das Wort die Gedanken, so kleide ich meinen Körper. Mein Körper ist mein Haus. Der Körper liegt dem Kleid zugrunde, wie der Begriff dem Wort zu Grunde liegt. Wir sprechen uns aus durch das was wir anziehen. Wir kleiden uns mit Taten. So wie der Gedankeninhalt im Inneren eines Textes diesen zusammen webt, so zeigen wir Persönlichkeit durch Kleiderwahl. Kleidung ist Ausdruck, Klamotten sind Kunst. Ich bin das zu inszinierende Objekt. Ich habe 2 Seiten. Das Äußere muss dem Inneren angemessen sein.

Meine Sätze sind oft überfachtet mit Worten, und mein Schrank mit Kleidungsstücken. Ich miste meine alten Sachen aus, genau wie meine Behaubtungen. Und ich wähle Neues mit Bedacht. Ein Kleiderschrank ist wie ein Vokabular. Ich hülle mich in ein Gedicht und kleide mich in Poesie. Mit Glaube, Hoffnung, Liebe.

Vielen Dank Blutsgeschwister für die schönen Sachen. 
Danke auch  vielen Menschen in den Kleidertausch-Bewegungen.

(das wollte jetzt mal gesagt werden...)

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