Donnerstag, 21. Februar 2013

Golfis Ende

Am Montag habe ich ein Mittagsschläfchen gemacht.  Ich blieb noch ein paar Minuten liegen und schaute einigen Traumbildern hinterher. Zeit für einen Tee. Also ging ich in die Küche, füllte den Wasserkocher auf und wartete. Ich sah aus dem Fenster.
"NEIN!" Der Anblick machte besser wach als jeder grüne Tee. Ich dachte: Das ist doch mein Auto!  Und: Da ist doch irgendein Trottel voll in meinen an der Straße parkenden Wagen gebrackert, dass er nun mit 2 Rädern auf dem Fußweg steht!



Golfi  hat mich treu begleitet. Vorher meine Schwester. Golfi war ganz schön getroffen, das konnte ich sogar durch das Fenster über die Straße gut erkennen. Während ich noch meine eigene Emotionslosigkeit registrierte, sah ich im Augenwinkel den Polizeiwagen. Ich bin sofort hinausgegangen. Mit jedem Meter näher an Golfi heran würden der Schaden größer. Ich glaube mir stand der Mund offen. Da kann man nur noch staunen. Golfi kann nicht mehr fahren. Nie wieder.   


Die Straße macht keine Kurven, hat keine Schlaglöcher. Sie ist sehr breit. Man kann da sein Auto zwischen dem Rad- und dem Fussweg parken. Ich habe das selten gemacht. Meistens stand er in der Seitenstraße, weil vorne oft besetzt ist. Und nun DAS! Als hätte Jemand dem Fahrer ins Lenkrad gegriffen um schön in meinen Wagen zu brackern.

Der blöde Typ der das angerichtet hat war auch noch da. Er saß in seinem Auto. Als ich gerade begriff dass ich nun kein Auto mehr habe, fragte er mich:" Gehört Ihnen der Wagen?" "Ja". "Aber wir stehen hier schon eine halbe Stunde". 
Ich dachte : Was soll das denn jetzt heissen, er beschwert sich, weil ich jetzt erst rauskomme, oder wie? Will er mir das nicht glauben,  oder was? und sagte: "Ja, ich hab geschlafen, dann wollt ich mir n Tee machen, und ich guck aus dem Fenster und jetzt bin ich hier". Der Typ hat gelacht. 

Ich beschloß ihn zu ignorieren und ging zu dem Polizeiauto. Es saßen 2 Polizeibeamte drin, beide jung. Der Mann mit einer Nerd- Brille, Typ Fotomodell auf dem Fahrersitz. Beide schrieben etwas.
Ich stellte mich ans geöffnete Fenster des  Polizeiwagens und wartete bis die Polizistin auf der Beifahrerseite, Typ intelligente Schauspielerin, mich anschaute und redete schon wieder Blödsinn: "Ähh, ich wollte nur sagen, der Wagen da vorne, der Golf, das ist meiner." "Welcher?" "Der silbergraue."  
Da tauchte ein junger Mann neben mir auf und sagte : "Ähh, ich wollte nur sagen, der Wagen da vorne, der Golf, das ist meiner". Und ich sagte : "Das kann gar nicht sein, der gehört ja MIR". Ich hatte noch gar nicht begriffen,  dass Golfi auf einen anderen Wagen draufgeschoben wurde. Klassischer Fall von: Nicht oben angekommen. Ich war nicht nur seltsam emotionslos, sondern auch noch begriffsstutzig. 

Ich hatte einen richtigen kleinen Schock. ZACK PENG zurück auf die Erde, oder so ähnlich.


Die Emotionen kamen, als der Abschleppdienst kam und ich das vordere VW-Emblem vom Boden aufhob. Da wurde mir unvermittelt weich ums Herz und ich unterdrückte ein paar Tränen. 


Ja, es ist nur ein Auto: Kriegserklärung an die Umwelt, Konsum und gesellschaftlich erklärte Notwendigkeit, etwa im Berufsalltag.
Aber ein Auto ist auch ein Begleiter. Ein stummer Diener,  Unabhängigkeit, suggerierte Freiheit. Das Wesen eines Autos ist es,  uns Selbst überall hinzufahren wohin wir möchten. Schnell und zuverlässig. Golfi hatte ein gutes Wesen. Er hat sich immer hingegeben, bis zuletzt.

Ade, du treuer Diener.


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